Was passierte im Fenstermanager für KDE Plasma Workspaces 4.8?

Es ist schon ziemlich lange her, dass ich hier mal auf Deutsch gebloggt habe. Nun nehme ich unser bevorstehende Release der KDE Plasma Workspaces 4.8 als Anlass um mal darüber zu berichten, was sich so im Bereich des Fenstermanagers und Compositors seit 4.7, welches in Kubuntu 11.10 zum Einsatz kommt, so getan hat.

Unser nächstes Release wird Bestandteil der LTS Version, d.h. sehr viele Kubuntu und hoffentlich auch Ubuntu Nutzer werden lange daran Freude haben.

In 4.8 sehen wir im Fenstermanager nicht besonders viele neue Funktionen. Wir haben hauptsächlich “unter der Haube” gearbeitet. An mehreren Stellen haben wir die Performance verbessert. Das Vergrößern/Verkleinern von Fenstern läuft nun dank einer verbesserten Synchronisierung mit dem Zeichnen der Fenster flüssiger. Wer es ganz flüssig haben will, sollte weiterhin den Effekt dafür verwenden.

Unser Verwischen (Blur) Effekt hat besonders viel Liebe erhalten. Alle Zwischenergebnisse werden nun im Speicher vorgehalten und nicht in jedem Frame neu berechnet. Das hat enorme Auswirkungen auf die Performance. Dank dieser Verbesserung (und einigen anderen kleinen Verbesserungen im Compositor dafür) konnte ich problemlos auf einer etwas älteren Ati X300 einen Fensterstil einsetzen, bei dem alle Fenster mit verwischtem Hintergrund gezeichnet werden. Auch können wir nun den Hintergrund von herausfahrenden Popups selbst während der Animation verwischen. Bisher hatten wir darauf verzichtet um die Performance zu schonen.

Weitere Performanceverbesserungen wurden unserem Effektsystem spendiert. Die Effekte können nun sagen ob sie gerade aktiv oder inaktiv sind. Dadurch werden sie beim Rendern eines Frames nicht berücksichtigt. Dies führt zu einer besseren Skalierung: die Anzahl geladener Effekte und offener Fenster hat keine Auswirkung mehr auf die Performance, denn in der Regel sind nur ein oder zwei Effekte gleichzeitig aktiv.

Eine sehr interessante Entwicklung ist der Einsatz von QtQuick. Diese Technologie haben wir im Fensterwechsler (Alt+Tab) eingebaut und können dadurch sehr einfach verschiedenste Layouts unterstützen. Hier ermöglichen wir unseren Nutzer eigene Layouts zu erstellen und zu verwenden. In der nächsten Version wollen wir das weiter ausbauen um auch Get Hot New Stuff zu integrieren um weitere Layouts aus dem Internet herunterladen zu können.

Generell sehen wir in QtQuick sehr viel Potential und wollen dies in 4.9 verstärkt einsetzen um den Nutzern somit ein Werkzeug in die Hand zu geben um einfacher seinen Fenstermanager zu gestalten und die eigenen Ideen in die Entwicklung einzubringen ohne C++ beherrschen zu müssen oder KDE Plasma überhaupt bauen zu müssen.

Rückblickend bin ich mit der Entwicklung in 2011 sehr zufrieden und freue mich auf das nächste Jahr um die Früchte zu ernten von der Arbeit, die wir dieses Jahr begonnen haben. Ich kann nur jedem Nutzer empfehlen den KDE Plasma Fenstermanager in Version 4.8 auszuprobieren und mal neben Unity oder GNOME Shell zu versuchen. Dank der Flexibilität unserer Desktop Shell Plasma können Nutzer auch ohne großen Aufwand ihre bevorzugte Desktop Shell – sei es Unity oder GNOME Shell – nachbauen.

Aber damit 4.8 ein richtig tolles Release wird, sind wir auf eure Mithilfe angewiesen. Aktuell ist der Release Candidate 1 veröffentlicht und wir brauchen noch mehr Tester. Von Kubuntu gibt es PPAs um die aktuelle Entwicklerversion zu bekommen. Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, könnt ihr auch Neon verwenden, das die Pakete getrennt installiert. Testet, findet die Fehler, meldet sie, damit wir Entwickler sie noch vor dem Release beheben können.

Und wenn ihr nicht wisst, was ihr mit dem ganzen Geld machen sollt, dass ihr zu Weihnachten geschenkt bekommen habt, so empfehle ich euch eine unterstützende Mitgliedschaft im KDE e.V. (Ich bin auch zahlendes Mitglied.) Dies ist ganz wichtig, denn mit euren Spenden werden die Entwicklersprints finanziert, welche wir Entwickler benötigen um die zukünftige Entwicklung zu koordinieren. Vielen Dank!

16 thoughts on “Was passierte im Fenstermanager für KDE Plasma Workspaces 4.8?”

  1. KDE should bother stackoverflow to get on their donation options list. We mods get this lame list of 4 things I don’t care about each year to give $100 to. I’d give it to KDE if it were on the list.

  2. Ich war echt überwältigt, als ich vor ein paar Tagen die Beta 2 (und der RC hat ja noch ein paar Tweaks mehr) auf meinen Kubuntu-Laptop installierte.
    Das Vergrößern und Verkleinern von Fenstern geht wirklich butterweich, auch mit komplexeren Fenstern, wie Amarok oder Systemsettings. Das kommt in dem Video, das Du einst gepostet hast, überhaupt nicht raus, das _muss_ man live gesehen haben!
    Blur unter Sliding Popups war auf meiner Wunschliste schon seit immer, und ich bin froh, dass ihr es geschafft habt :)
    Alles in allem wird KDE 4.8 wieder ein großartiges Release, wie auch schon 4.7, und 4.6, und … :)

    1. mit dem Video hab ich eine wichtige Lektion gelernt: sowas kann man nicht mit recordmydesktop aufnehmen :-)

  3. Über einen Unity Nachbau in KDE würde ich mich wirklich freuen, allerdings bezweifle ich, dass ein “kompletter” Nachbau wirklich “ohne großen Aufwand” möglich ist. Zu Unity gehört nicht nur ein Panel an der linken Seite sondern auch alle Tastenkürzel, Dash, Lenses, Scopes, die Integration der Titelleiste in das obere Panel bei maximierten Fenstern, Application Menu und Indicator Menu.

    Wenn dieser Nachbau allerdings gelänge und sich noch mit den Aktivitäten kombinieren ließe würde ich glaube ich zu KDE wechseln

    Ach ja, etwas OT: wie sieht es denn mit der Dolphin Integration von Ubuntu One aus?

    1. Innerhalb der KDE Entwicklergemeinschaft besteht kein Interesse Unity nachzubauen. Jedoch ist Plasma ein Framework um Desktop Shells zu erstellen. Schau nur einmal wie schnell wir eine Tablet Shell hinbekommen haben. Es ist also möglich eine Unity ähnliche Plasma Shell zu implementieren.

      Betreff Dolphin und Ubuntu One: frag besser mal bei Canonical nach.

    2. „Zu Unity gehört nicht nur ein Panel an der linken Seite sondern auch alle Tastenkürzel, Dash, Lenses, Scopes, die Integration der Titelleiste in das obere Panel bei maximierten Fenstern, Application Menu und Indicator Menu.“

      Relativ viel davon geht schon. Man muss sich bloß teilweise 3rd Party Plasma Applets zusammensuchen. Außerdem ist Unity 2D kein einzelnes Programm, sondern im Gegensatz zum „richtigen“ Unity eine Ansammlung einzelner Komponenten, die sich auch separat ausführen lassen. So kann man entweder eine Unity-Komponente unter Plasma Desktop ausführen oder umgekehrt Plasma Desktop oder KWin unter Unity 2D:
      https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Unity_2D_with_KDE.png

  4. Hoffentlich wird am Networkmanager fürs mobile Breitband auch
    was gemacht, unterm aktuellem Kernel eine Katastrophe..

    1. Bei mir funktioniert mobiles Breitband problemlos. Einstecken, PIN eingeben, einmal Provider aus Liste auswählen und los gehts. Das hab ich auf verschiedenen Distributionen genau so erlebt und dabei war Networkmanager zum Teil selbst kompiliert, zum Teil aus Paketen. Oh und Kernel 3.1 verwende ich auch.

      1. Bei mir machte es mit dem 3.0er Kernel fast keine Probleme. Einstecken, eine Ewigkeit warten, PIN eingeben, Provider aus Liste wählen, einen dämlichen Dialog, der irgendwelche schwachsinnigen Abfragen einfordert, ZWEI MAL!!! abnicken und dann stand die Verbindung.
        Also UI- und HIG-technisch ist Plasma NM immer noch eine Katastrophe … wie so vieles, leider.

  5. Ist auch die allgemeine Performance verbessert worden bzw. wird diese in Zukunft verbessert? Im Vergleich zu Ubuntu ist der Bootvorgang + Login (-Animation) quälend langsam und der Hauptgrund mich für schlankere Oberflächen zu entscheiden.
    Aber vielleicht nimmt Razor-qt irgendwann in der Zukunft diesen Platz ein, schlank und dennoch gut konfigurierbar zu sein.

    1. ich hab dir einen guten Tipp: schalte den Rechner nicht aus (Standby). Ich starte meinen Rechner maximal einmal im Monat und dann interessiert es mich nicht, wie lange es zum Laden dauert. Aber auch hier wird optimiert, so lädt KWin in 4.8 einige Daten nicht-blockierend und generell wird dank Plasma Active auch daran gearbeitet.

    2. Also ich hab die ganzen Bibliotheken geprelinked und eine SSD im Rechner. 15 Sekunden nach dem Einschalten ist die Mühle komplett einsatzbereit. Kann man nicht klagen.
      Wobei ich auch dafür wäre, dass dieser Startbildschirm einfach wegfällt und man vom Login-Bildschirm auf sein Hintergrundbild übergeblendet wird und danach die Panels und Widgets erscheinen, so wie es Gnome früher machte; fühlt sich einfach schneller an.

      1. Problem dabei: Plasma startet mit als letztes und wir brauchen eigentlich den Splash Screen um Sachen zu verstecken :-)

          1. Ja, eine Beschleunigung des Startprogramms nach dem Einloggen wäre super. Das “verbraucht” bei immer noch die größte Zeit. Ich bin gespannt auf 4.8, mal gucken, inwiefern sich die Zeit verkürzt.

Comments are closed.