Die aktuelle Diskussion in der GNOME Community, ob GNOME aus GNU aussteigen soll, finde ich interessant und möchte hier meine Gedanken dazu äußern. In diesem Post wird die FSF und RMS kritisiert werden. Diese Kritik betrifft aber nicht den europäischen Ableger FSFE.
Zuerst einmal die Frage: „Was würde sich durch den Austritt ändern?“ Eigentlich nichts. GNOME als GPL lizensierte Software bleibt natürlich freie Software. Auch dürfte weder die GNOME noch die GNU Community dadurch Schaden nehmen. Beide sind groß genug um sich alleine tragen zu können und GNOME scheint sowieso nicht sehr in GNU integriert zu sein. Das einzige was passieren könnte, ist dass es schlechte Presse gibt. Hier kann man nur hoffen, dass die Communities es schaffen einen Rosenkrieg zu vermeiden.
Persönlich bin ich von der Entwicklung nicht überrascht – auch nicht, dass auf die versuchte Einmischung von Stallman mit der Diskussion über den Austritt aus GNU diskutiert wird. Für mich ist das nun die Zuspitzung einer sich seit langem abzeichnenden Entwicklung. Man denke nur an Stallmans Mono-Bashing oder die Rede auf dem Desktop Summit (die nun wohl noch in den Köpfen derjenigen rumschwirrt, die am Ende entscheiden). Stallman versucht sich in die Belange der GNOME Community einzumischen, ja sogar Forderungen zu stellen und diese mit der GNU Zugehörigkeit zu begründen. Dass dann in der Community der Gedanke aufkommen könnte die ungewollte Einmischung los zu werden, ist nachvollziehbar.
Über die Frage, ob proprietäre Anwendungen auf planet GNOME erwähnt werden dürfen, lässt sich natürlich diskutieren. Persönlich stören mich z.B. die vielen Mono Posting auch – besonders wenn es um irgendwelche Anwendungen auf proprietären Systemen geht. Aber betrachtet man sich die Zielsetzung des Planets, so sind diese Beiträge klar erlaubt. Gerade die Posts zu VMWare (der Stein des Anstoßes) halte ich sogar für recht wichtig, da es zeigt, dass bei VMWare Leute aus der Community arbeiten, Leute, die die Firma von innen heraus öffnen können. Verbietet man ihnen über ihre Arbeit zu bloggen, zerstört man am Ende vielleicht den kleinen Pfad, um VMWare zur Open Source Community zu führen.
Nun hatte ich ja im Juli das Glück eine Rede von RMS zu hören und seine Argumentation zu sehen. Für ihn gibt es schwarz und weiß, gut und böse. Freie Software gut, nicht freie (einschließlich OpenSource, d.h. z.B. BSD) böse. Gerade beim Beispiel Mono konnte man das recht gut sehen. Die Möglichkeit, dass sich Microsoft der OpenSource Welt hin öffnet, wird nicht gesehen. Microsoft ist böse, daher darf man nichts verwenden was von Microsoft kommt (sinngemäßes Zitat). Für die meisten Open Source Entwickler ist diese Argumentation natürlich nicht haltbar. Vor 20 Jahren konnte man freie Software mit dem Argument der Freiheit vermarkten. RMS hatte damals seine Jünger und eine Rede der Art hat perfekt gepasst. Heute sieht das anders aus. Freie Software muss nicht mehr die Freiheit hervorheben um sich gegen die Wettbewerber durchzusetzen, sondern kann nun auch die bessere Qualität als Argument liefern. Ich habe für mich selbst anlässlich der aktuellen Diskussion reflektiert, ob ich freie Software schreibe, weil sie frei ist oder weil es das beste Mittel zum Ziel ist. Letzteres ist der Fall. Ich möchte gute Software schreiben, die von vielen Menschen benutzt wird. Dass sie frei ist, ist toll, aber es ist nicht die Motivation die mich antreibt. Heißt auch, dass ich zum Beispiel kein Problem damit hätte an das LGPL lizensierte Qt Code beizusteuern oder an BSD lizensierte Projekte.
RMS hat seine Schafe verloren. War er früher der Hüter einer kleinen Gemeinde, die alle mit ihm übereinstimmen, so ist heute die Gemeinde viel größer. Sie läuft immer noch in die gleiche Richtung, aber braucht eigentlich keinen Schäfer mehr, der auf sie aufpasst und sie auf dem rechten Pfad führt. Versucht der Schäfer als Heiliger der Kirche von Emacs durch den Free Software Song seine Schafe zu sammeln, so wenden sie sich nur noch beschämt ab. Der Schäfer scheint aber noch nicht gemerkt zu haben, dass seine Herde gewachsen ist und ihn nicht mehr als Schäfer braucht und sich nicht mehr von ihm zurechtweisen lassen will. Natürlich ist es wichtig, dass es den Schäfer gibt, der auch mal auf Gefahren wie die Monoschlucht hinweist, aber er muss es so machen, dass seine neuen Schafe ihn verstehen. (viele der heutigen Entwickler lebten noch nicht einmal als das GNU Projekt gegründet wurde)
Die Verdienste von RMS sind natürlich wichtig. Aber in die heutige Zeit passt seine schwarz-weiß Argumentation nicht mehr. Die Entwickler können und wollen so eine Zielsetzung nicht akzeptieren, da sie tagtäglich zum Beispiel auch mit Open Source ihr Geld verdienen. Dass RMS und somit auch die FSF nicht mehr die Entwickler vertritt, merkt man an so vielen Kleinigkeite wie dem GNU/Linux Streit, Mono oder jetzt dem Planet. Ich hoffe, dass die FSF sich langsam aber sicher in gemäßigtere Wasser begiebt, so dass sich nicht die Entwickler von ihr abwenden und das wichtige Ziel des freien Software Gedanken auf der Strecke liegen bleibt. Ich denke die FSFE ist da ein gutes Vorbild.
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